Was tun bei einer Angststörung
Wenn die Angst den Alltag bestimmt, gibt es eine gute Nachricht: Angststörungen sind gut behandelbar. Laut Gesundheitsportal des Bundes können die Beschwerden durch eine Behandlung gemildert werden oder ganz wegfallen. Behandelt wird meist mit Psychotherapie und bei Bedarf mit Medikamenten. Der Weg dorthin hat drei Schritte: körperliche Ursachen abklären lassen, den passenden Behandlungsweg wählen, anmelden. Für viele Wege zahlt die Krankenkasse. Wie sich Angststörungen zeigen und welche Formen es gibt, lesen Sie im Beitrag Angststörungen verstehen. Hier geht es um die praktischen Fragen: Wo fangen Sie an, was hilft, und wer zahlt?
Woran Sie eine Angststörung erkennen
Angststörungen zählen laut Gesundheitsportal des Bundes zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Typisch ist eine Angst, die stärker, häufiger oder länger auftritt, als die Situation es erklärt, und die das Leben spürbar einschränkt. Je nach Form zeigt sie sich unterschiedlich:
- Panikattacken mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schweißausbrüchen oder der Angst, die Kontrolle zu verlieren
- Andauernde Sorgen über Alltag und Zukunft mit innerer Anspannung, Konzentrationsproblemen, Schlaflosigkeit und Muskelverspannungen, wie bei der generalisierten Angststörung
- Starke Angst vor dem Zusammentreffen mit anderen Menschen, etwa beim Sprechen oder Essen in der Öffentlichkeit, wie bei der sozialen Phobie
- Angst vor ganz bestimmten Dingen oder Situationen, etwa Höhe, engen Räumen, Tieren oder dem Fliegen
Ein wichtiges Warnzeichen ist Vermeidung: Wer Orte, Menschen oder Situationen zunehmend meidet, um der Angst zu entgehen, sollte sich Unterstützung holen. Eine Diagnose stellen Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen oder klinische Psycholog:innen.
Schritt 1: Körperliche Ursachen abklären lassen
Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Zittern können auch körperliche Gründe haben. Das Gesundheitsportal hält deshalb fest, dass vor der Diagnose einer Angststörung eine Ärzt:in körperliche Ursachen ausschließen muss. Der einfachste Einstieg ist Ihre Hausarztpraxis. Dort können Sie offen sagen, dass Sie eine Angststörung vermuten. Mit einer Kassenpraxis und Ihrer e-card entstehen ÖGK-Versicherten dafür keine zusätzlichen Kosten. Wenn Sie unsicher sind, wohin Sie sich wenden sollen, berät Sie die Gesundheitsnummer 1450 rund um die Uhr am Telefon.
Der Arzttermin kann einen zweiten Nutzen haben. Wenn die Krankenkasse Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung zahlen soll, ist vor der zweiten Sitzung eine ärztliche Untersuchung nötig, die die Ärzt:in auf einem eigenen Formular bestätigt. Laut ASVG darf sie vor oder nach der ersten Sitzung stattfinden, muss aber vor der zweiten und im selben Abrechnungszeitraum liegen. Beginnt die Therapie erst Monate später, etwa nach einer Wartezeit, brauchen Sie unter Umständen eine neue Bestätigung. Für die Anmeldung zu einem klinisch-psychologischen Kassenplatz über psyhelp müssen Sie die Bestätigung schon bei der Anmeldung hochladen.
Welche Therapie hilft bei einer Angststörung?
Im Mittelpunkt steht meist eine Psychotherapie. Das Gesundheitsportal schreibt, verhaltenstherapeutische Ansätze hätten sich in der Behandlung von Angststörungen sehr bewährt. Zur Psychotherapie gehören Informationen über die Erkrankung und oft das Erlernen von Entspannungstechniken. Bei spezifischen Phobien, etwa vor Höhe oder Spinnen, gilt zusätzlich die sogenannte Exposition als hilfreich: Sie stellen sich der gefürchteten Situation schrittweise und in einem sicheren Rahmen.
Medikamente kommen je nach Form und Schwere dazu. Eingesetzt werden laut Gesundheitsportal unter anderem Mittel, die auch bei Depressionen verwendet werden. Bei spezifischen Phobien empfiehlt die Fachwelt dagegen keine Medikamente, sondern die Exposition. Verschreiben dürfen Medikamente nur Ärzt:innen, etwa in der Hausarztpraxis oder bei einer Fachärzt:in für Psychiatrie. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sind nur in begründeten Ausnahmen oder akuten Situationen und nur kurzfristig gedacht, eng ärztlich begleitet, weil sie abhängig machen können.
Neben der Behandlung nennt das Gesundheitsportal Ausdauersport, das Beobachten und Vermeiden von Verstärkern wie negativem Stress, Koffein oder Medikamentenmissbrauch und den Besuch einer Selbsthilfegruppe als Unterstützung. Sie ersetzen die Therapie nicht, können sie aber ergänzen.
Wo Sie Hilfe bekommen, vier Wege in Österreich
Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie dringend es ist und wie viel Sie selbst zahlen können. Die vier wichtigsten Anlaufstellen:
- Psychotherapie auf Kassenplatz: Die Therapeut:in rechnet direkt mit der Kasse ab, ÖGK-Versicherte zahlen nichts. Die Plätze sind begrenzt, mit Wartezeiten müssen Sie rechnen
- Psychotherapie bei einer Wahltherapeut:in: Sie zahlen das Honorar selbst und bekommen von der Kasse einen fixen Zuschuss pro Sitzung zurück, ohne auf einen Kassenplatz warten zu müssen. Wie das bei der ÖGK funktioniert, steht im Leitfaden zum ÖGK-Kostenzuschuss auf unserem Blog. Bei der ÖGK braucht es ab der elften Sitzung eine Bewilligung
- Klinisch-psychologische Behandlung: Sie ist bei ÖGK, SVS und BVAEB Kassenleistung. Plätze vermittelt die Servicestelle psyhelp nach Bedarf, die Anmeldung geht online auf psyhelp.at oder telefonisch unter 0800 10 02 03, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Gerade wenn Ihnen Telefonieren schwerfällt, ist die Online-Anmeldung eine gute Option. Für SVS- und BVAEB-Versicherte gilt ein Selbstbehalt. Die ersten zehn Sitzungen brauchen keine Bewilligung. Mehr dazu im Beitrag zur klinisch-psychologischen Behandlung auf Kasse
- Psychiatrie: Fachärzt:innen für Psychiatrie klären ab, stellen die Diagnose und entscheiden über Medikamente. Mit Kassenvertrag zahlen ÖGK-Versicherte mit der e-card nichts extra. Anlaufstellen sind auch Psychiatrie-Ambulanzen, für die Sie in der Regel eine Überweisung brauchen, bei sehr starker Ausprägung kommen eine stationäre Behandlung oder Rehabilitation in Frage
Ein möglicher Ablauf: Abklärung in der Hausarztpraxis, dann Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung und, falls nötig, parallel eine psychiatrische Begleitung für die Medikamente. Psychotherapie und klinisch-psychologische Behandlung gleichzeitig auf Kassenkosten schließt die ÖGK allerdings aus.
Was kostet die Behandlung einer Angststörung?
Das hängt vom Weg ab. Für ÖGK-Versicherte gilt 2026:
- Kassenplatz für Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung: keine Kosten, dafür oft Wartezeit
- Wahlpraxis für Psychotherapie oder klinische Psychologie: Sie zahlen das Honorar selbst, die ÖGK erstattet 33,70 Euro pro Einzelsitzung von 60 Minuten und 19,30 Euro für 30 Minuten
- Psychiatrische Facharztpraxis mit Kassenvertrag: keine Kosten mit der e-card, für Medikamente auf Kassenrezept zahlen Sie die Rezeptgebühr
Einen Kostenzuschuss und gleichzeitig eine Therapie auf Kassenkosten gibt es laut ÖGK nicht. Bei SVS, BVAEB und den Krankenfürsorgeanstalten gelten eigene Beträge und teils Selbstbehalte. Was am Ende bei Ihrem Stundensatz übrig bleibt, rechnen Sie am schnellsten mit dem Therapiekosten-Rechner auf matchyourtherapy.at aus.
Die passende Therapeut:in für Angst finden
Bei Angststörungen lohnt es sich, im Erstgespräch direkt zu fragen, wie die Therapeut:in mit Ängsten arbeitet und ob sie Erfahrung mit Ihrer Form der Angst hat, etwa mit Panikattacken, sozialer Angst oder einer Phobie. Genauso wichtig ist, ob Sie sich bei der Person gut aufgehoben fühlen. Angst zeigt sich oft gerade dort, wo man sich unsicher fühlt, und eine tragfähige Beziehung erleichtert die Arbeit an genau diesen Situationen.
Wenn Ihnen schon der erste Anruf schwerfällt, ist das bei Angststörungen nicht ungewöhnlich. Eine schriftliche Anfrage per Mail oder Formular ist ein völlig legitimer Weg.
Wann Sie sofort Hilfe holen sollten
Angststörungen können laut Gesundheitsportal das Suizidrisiko erhöhen. Wenn die Angst unerträglich wird, Sie nicht mehr weiterwissen oder an Suizid denken, warten Sie nicht auf einen Termin. Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar. Bei Lebensgefahr wählen Sie den Rettungsnotruf 144. Weitere regionale Krisendienste listet das Gesundheitsportal des Bundes.
Der erste Schritt muss kein Telefonat sein. Auf matchyourtherapy.at finden Sie kostenlos Psychotherapeut:innen mit dem Schwerpunkt Angst und Panik, gefiltert nach Ort, Methode und freien Plätzen, sehen den Stundensatz direkt im Profil und schicken Ihre Anfrage schriftlich.


