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Angststörung: Was wirklich hilft, wo Sie Hilfe bekommen und was die Kasse zahlt (2026)

Autor: MMag. DDr. Gregor Studlar BA
MMag. DDr. Gregor Studlar BA

Teil des matchyourtherapy-Teams. Schreibt über Psychotherapie, Kosten und Versorgung in Österreich.

6 Min. Lesezeit
Illustration: Eine Person, die sich um ihre psychische Gesundheit kümmert, Symbolbild für Angststörung, Therapie und den Weg zur passenden Hilfe in Österreich
Auf Basis wissenschaftlicher Quellen. Zu den Quellen

Was tun bei einer Angststörung

Wenn die Angst den Alltag bestimmt, gibt es eine gute Nachricht: Angststörungen sind gut behandelbar. Laut Gesundheitsportal des Bundes können die Beschwerden durch eine Behandlung gemildert werden oder ganz wegfallen. Behandelt wird meist mit Psychotherapie und bei Bedarf mit Medikamenten. Der Weg dorthin hat drei Schritte: körperliche Ursachen abklären lassen, den passenden Behandlungsweg wählen, anmelden. Für viele Wege zahlt die Krankenkasse. Wie sich Angststörungen zeigen und welche Formen es gibt, lesen Sie im Beitrag Angststörungen verstehen. Hier geht es um die praktischen Fragen: Wo fangen Sie an, was hilft, und wer zahlt?

Woran Sie eine Angststörung erkennen

Angststörungen zählen laut Gesundheitsportal des Bundes zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Typisch ist eine Angst, die stärker, häufiger oder länger auftritt, als die Situation es erklärt, und die das Leben spürbar einschränkt. Je nach Form zeigt sie sich unterschiedlich:

  • Panikattacken mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel, Zittern, Schweißausbrüchen oder der Angst, die Kontrolle zu verlieren
  • Andauernde Sorgen über Alltag und Zukunft mit innerer Anspannung, Konzentrationsproblemen, Schlaflosigkeit und Muskelverspannungen, wie bei der generalisierten Angststörung
  • Starke Angst vor dem Zusammentreffen mit anderen Menschen, etwa beim Sprechen oder Essen in der Öffentlichkeit, wie bei der sozialen Phobie
  • Angst vor ganz bestimmten Dingen oder Situationen, etwa Höhe, engen Räumen, Tieren oder dem Fliegen

Ein wichtiges Warnzeichen ist Vermeidung: Wer Orte, Menschen oder Situationen zunehmend meidet, um der Angst zu entgehen, sollte sich Unterstützung holen. Eine Diagnose stellen Ärzt:innen, Psychotherapeut:innen oder klinische Psycholog:innen.

Schritt 1: Körperliche Ursachen abklären lassen

Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder Zittern können auch körperliche Gründe haben. Das Gesundheitsportal hält deshalb fest, dass vor der Diagnose einer Angststörung eine Ärzt:in körperliche Ursachen ausschließen muss. Der einfachste Einstieg ist Ihre Hausarztpraxis. Dort können Sie offen sagen, dass Sie eine Angststörung vermuten. Mit einer Kassenpraxis und Ihrer e-card entstehen ÖGK-Versicherten dafür keine zusätzlichen Kosten. Wenn Sie unsicher sind, wohin Sie sich wenden sollen, berät Sie die Gesundheitsnummer 1450 rund um die Uhr am Telefon.

Der Arzttermin kann einen zweiten Nutzen haben. Wenn die Krankenkasse Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung zahlen soll, ist vor der zweiten Sitzung eine ärztliche Untersuchung nötig, die die Ärzt:in auf einem eigenen Formular bestätigt. Laut ASVG darf sie vor oder nach der ersten Sitzung stattfinden, muss aber vor der zweiten und im selben Abrechnungszeitraum liegen. Beginnt die Therapie erst Monate später, etwa nach einer Wartezeit, brauchen Sie unter Umständen eine neue Bestätigung. Für die Anmeldung zu einem klinisch-psychologischen Kassenplatz über psyhelp müssen Sie die Bestätigung schon bei der Anmeldung hochladen.

Welche Therapie hilft bei einer Angststörung?

Im Mittelpunkt steht meist eine Psychotherapie. Das Gesundheitsportal schreibt, verhaltenstherapeutische Ansätze hätten sich in der Behandlung von Angststörungen sehr bewährt. Zur Psychotherapie gehören Informationen über die Erkrankung und oft das Erlernen von Entspannungstechniken. Bei spezifischen Phobien, etwa vor Höhe oder Spinnen, gilt zusätzlich die sogenannte Exposition als hilfreich: Sie stellen sich der gefürchteten Situation schrittweise und in einem sicheren Rahmen.

Medikamente kommen je nach Form und Schwere dazu. Eingesetzt werden laut Gesundheitsportal unter anderem Mittel, die auch bei Depressionen verwendet werden. Bei spezifischen Phobien empfiehlt die Fachwelt dagegen keine Medikamente, sondern die Exposition. Verschreiben dürfen Medikamente nur Ärzt:innen, etwa in der Hausarztpraxis oder bei einer Fachärzt:in für Psychiatrie. Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine sind nur in begründeten Ausnahmen oder akuten Situationen und nur kurzfristig gedacht, eng ärztlich begleitet, weil sie abhängig machen können.

Neben der Behandlung nennt das Gesundheitsportal Ausdauersport, das Beobachten und Vermeiden von Verstärkern wie negativem Stress, Koffein oder Medikamentenmissbrauch und den Besuch einer Selbsthilfegruppe als Unterstützung. Sie ersetzen die Therapie nicht, können sie aber ergänzen.

Wo Sie Hilfe bekommen, vier Wege in Österreich

Welcher Weg passt, hängt davon ab, wie dringend es ist und wie viel Sie selbst zahlen können. Die vier wichtigsten Anlaufstellen:

  • Psychotherapie auf Kassenplatz: Die Therapeut:in rechnet direkt mit der Kasse ab, ÖGK-Versicherte zahlen nichts. Die Plätze sind begrenzt, mit Wartezeiten müssen Sie rechnen
  • Psychotherapie bei einer Wahltherapeut:in: Sie zahlen das Honorar selbst und bekommen von der Kasse einen fixen Zuschuss pro Sitzung zurück, ohne auf einen Kassenplatz warten zu müssen. Wie das bei der ÖGK funktioniert, steht im Leitfaden zum ÖGK-Kostenzuschuss auf unserem Blog. Bei der ÖGK braucht es ab der elften Sitzung eine Bewilligung
  • Klinisch-psychologische Behandlung: Sie ist bei ÖGK, SVS und BVAEB Kassenleistung. Plätze vermittelt die Servicestelle psyhelp nach Bedarf, die Anmeldung geht online auf psyhelp.at oder telefonisch unter 0800 10 02 03, Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr. Gerade wenn Ihnen Telefonieren schwerfällt, ist die Online-Anmeldung eine gute Option. Für SVS- und BVAEB-Versicherte gilt ein Selbstbehalt. Die ersten zehn Sitzungen brauchen keine Bewilligung. Mehr dazu im Beitrag zur klinisch-psychologischen Behandlung auf Kasse
  • Psychiatrie: Fachärzt:innen für Psychiatrie klären ab, stellen die Diagnose und entscheiden über Medikamente. Mit Kassenvertrag zahlen ÖGK-Versicherte mit der e-card nichts extra. Anlaufstellen sind auch Psychiatrie-Ambulanzen, für die Sie in der Regel eine Überweisung brauchen, bei sehr starker Ausprägung kommen eine stationäre Behandlung oder Rehabilitation in Frage

Ein möglicher Ablauf: Abklärung in der Hausarztpraxis, dann Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung und, falls nötig, parallel eine psychiatrische Begleitung für die Medikamente. Psychotherapie und klinisch-psychologische Behandlung gleichzeitig auf Kassenkosten schließt die ÖGK allerdings aus.

Was kostet die Behandlung einer Angststörung?

Das hängt vom Weg ab. Für ÖGK-Versicherte gilt 2026:

  • Kassenplatz für Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung: keine Kosten, dafür oft Wartezeit
  • Wahlpraxis für Psychotherapie oder klinische Psychologie: Sie zahlen das Honorar selbst, die ÖGK erstattet 33,70 Euro pro Einzelsitzung von 60 Minuten und 19,30 Euro für 30 Minuten
  • Psychiatrische Facharztpraxis mit Kassenvertrag: keine Kosten mit der e-card, für Medikamente auf Kassenrezept zahlen Sie die Rezeptgebühr

Einen Kostenzuschuss und gleichzeitig eine Therapie auf Kassenkosten gibt es laut ÖGK nicht. Bei SVS, BVAEB und den Krankenfürsorgeanstalten gelten eigene Beträge und teils Selbstbehalte. Was am Ende bei Ihrem Stundensatz übrig bleibt, rechnen Sie am schnellsten mit dem Therapiekosten-Rechner auf matchyourtherapy.at aus.

Die passende Therapeut:in für Angst finden

Bei Angststörungen lohnt es sich, im Erstgespräch direkt zu fragen, wie die Therapeut:in mit Ängsten arbeitet und ob sie Erfahrung mit Ihrer Form der Angst hat, etwa mit Panikattacken, sozialer Angst oder einer Phobie. Genauso wichtig ist, ob Sie sich bei der Person gut aufgehoben fühlen. Angst zeigt sich oft gerade dort, wo man sich unsicher fühlt, und eine tragfähige Beziehung erleichtert die Arbeit an genau diesen Situationen.

Wenn Ihnen schon der erste Anruf schwerfällt, ist das bei Angststörungen nicht ungewöhnlich. Eine schriftliche Anfrage per Mail oder Formular ist ein völlig legitimer Weg.

Wann Sie sofort Hilfe holen sollten

Angststörungen können laut Gesundheitsportal das Suizidrisiko erhöhen. Wenn die Angst unerträglich wird, Sie nicht mehr weiterwissen oder an Suizid denken, warten Sie nicht auf einen Termin. Die Telefonseelsorge ist unter 142 rund um die Uhr erreichbar. Bei Lebensgefahr wählen Sie den Rettungsnotruf 144. Weitere regionale Krisendienste listet das Gesundheitsportal des Bundes.

Der erste Schritt muss kein Telefonat sein. Auf matchyourtherapy.at finden Sie kostenlos Psychotherapeut:innen mit dem Schwerpunkt Angst und Panik, gefiltert nach Ort, Methode und freien Plätzen, sehen den Stundensatz direkt im Profil und schicken Ihre Anfrage schriftlich.

Häufige Fragen

Wie wird eine Angststörung behandelt?
Meist mit Psychotherapie und bei Bedarf mit Medikamenten. Verhaltenstherapeutische Ansätze haben sich laut Gesundheitsportal des Bundes sehr bewährt, bei spezifischen Phobien zusätzlich die schrittweise Konfrontation mit der gefürchteten Situation. Medikamente verschreiben nur Ärzt:innen.
Woran erkenne ich, ob ich eine Angststörung habe?
Typisch ist eine Angst, die stärker oder häufiger auftritt, als die Situation es erklärt, und den Alltag einschränkt, etwa durch Panikattacken, ständige Sorgen oder Angst vor anderen Menschen. Ein Warnzeichen ist, wenn Sie Situationen zunehmend meiden. Sicher klären lässt sich das nur in einer ärztlichen, psychotherapeutischen oder klinisch-psychologischen Untersuchung.
Wie lange dauert die Behandlung einer Angststörung?
Eine feste Dauer gibt es nicht. Laut Sozialministerium hängt sie von der Problematik, dem Therapieziel und der Methode ab: Lange bestehende, schwere Probleme brauchen voraussichtlich länger, ein einzelnes Symptom kann schneller bewältigt sein. Eine Einzelsitzung dauert in der Regel 50 Minuten.
Wohin wende ich mich zuerst, wenn ich eine Angststörung vermute?
Am einfachsten in die Hausarztpraxis. Dort werden körperliche Ursachen ausgeschlossen, und eine ärztliche Untersuchung brauchen Sie ohnehin, wenn die Kasse Psychotherapie oder klinisch-psychologische Behandlung zahlen soll. Sie muss vor der zweiten Sitzung und im selben Abrechnungszeitraum stattfinden. Eine Überweisung brauchen Sie für die Psychotherapie selbst nicht, Sie können sich auch direkt an eine Psychotherapeut:in wenden.
Zahlt die Krankenkasse die Behandlung einer Angststörung?
Ja, auf mehreren Wegen. Psychotherapie auf Kassenplatz ist für ÖGK-Versicherte kostenlos, bei Wahltherapeut:innen erstattet die ÖGK 33,70 Euro pro Einzelsitzung von 60 Minuten. Klinisch-psychologische Behandlung ist bei ÖGK, SVS und BVAEB Kassenleistung, und Fachärzt:innen für Psychiatrie mit Kassenvertrag besuchen Sie mit der e-card. Bei manchen Kassen fallen Selbstbehalte an.
Ist eine Angststörung heilbar?
Laut Gesundheitsportal des Bundes können die Beschwerden durch eine Behandlung gemildert werden oder ganz wegfallen. Rückfälle sind möglich, deshalb lernen Sie in der Therapie auch, mit Angst umzugehen. Je früher Sie Hilfe holen, desto weniger Raum bekommt die Vermeidung im Alltag.
Sind Beruhigungsmittel bei Angst eine Lösung?
Nur in Ausnahmefällen und kurzfristig. Benzodiazepine können in einer akuten Situation helfen, müssen aber eng ärztlich begleitet werden, weil sie abhängig machen können. Für die längere Behandlung setzen Ärzt:innen auf andere Medikamente, unter anderem solche, die auch bei Depressionen eingesetzt werden.
Was tun bei einer akuten Panikattacke?
Atem- und Erdungsübungen für den Moment finden Sie in unserem Beitrag „Panikattacken stoppen: Sofort-Hilfe für den Notfall“. Wenn Sie nicht weiterwissen, erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142, bei Lebensgefahr wählen Sie 144.

Therapeut:innen für Angststörungen

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Quellen & wissenschaftliche Grundlagen

  1. [1]

    Gesundheitsportal des Bundes: Diagnose und Therapie von Angststörungen https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/psyche/neurose/angststoerung-diagnose.html

  2. [2]

    ÖGK: Psychotherapie, ärztliche Untersuchung vor der zweiten Sitzung https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.870222

  3. [3]

    ÖGK: Klinisch-psychologische Behandlung als Kassenleistung, Servicestelle https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.897679

  4. [4]
  5. [5]

    psyhelp: Servicestelle für klinisch-psychologische Behandlung auf Kassenkosten https://www.psyhelp.at/

  6. [6]

    ÖGK: Die ÖGK im Überblick, Leistungen und Services 2026 (Kostenzuschuss 33,70 und 19,30 Euro) https://www.oegk.at/cdscontent/load?contentid=10008.748630

  7. [7]

    ÖGK: Ärztliche Versorgung durch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.870522&portal=oegkportal

  8. [8]

    Sozialministerium: Psychotherapie, Wenn die Seele Hilfe braucht (Dauer der Psychotherapie) https://broschuerenservice.sozialministerium.gv.at/Home/Download?publicationId=563

  9. [9]

    Gesundheitsportal des Bundes: Hotlines, Gesundheitsnummer 1450 https://www.gesundheit.gv.at/service/notruf/hotline.html

  10. [10]

    Gesundheitsportal des Bundes: Notrufnummern bei Krise und Suizidgefahr https://www.gesundheit.gv.at/leben/suizidpraevention/anlaufstellen/notrufnummern.html

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