Warum die Kasse oft nicht reicht
Psychotherapie ist in Österreich eine Kassenleistung, aber in der Praxis zahlen viele einen großen Teil selbst. Kassenplätze mit voller Kostenübernahme sind knapp, die Wartezeiten liegen oft bei vielen Monaten. Wer schneller starten will, geht zu einer Wahltherapeut:in und bekommt von der Kasse nur einen Kostenzuschuss.
Der Zuschuss ist ein fixer Betrag und deckt nur einen Teil des Honorars. Bei typischen Stundensätzen zwischen 80 und 170 Euro bleiben pro Sitzung rund 30 bis 136 Euro Eigenkosten, bei der ÖGK mindestens rund 46 Euro.
| Krankenkasse | Zuschuss pro Sitzung 2026 | Eigenanteil bei 110 € Honorar |
|---|---|---|
| ÖGK | 33,70 € | 76,30 € |
| SVS (Selbstständige) | 50,00 € | 60,00 € |
| BVAEB (Beamte, Eisenbahn, Bergbau) | 50,20 € | 59,80 € |
Bei rund 40 bis 45 Sitzungen im Jahr und 110 Euro Honorar sind das schnell 2.400 bis 3.400 Euro. Und in manchen Fällen zahlt die Kasse gar nichts, etwa bei Paartherapie oder wenn die Bewilligung fehlt. Genau hier kommt die private Krankenversicherung ins Spiel. Wie der Zuschuss im Detail funktioniert, erklären unser Leitfaden zum ÖGK-Kostenzuschuss und für alle Kassen der Leitfaden zum Kassenzuschuss.
Welche private Versicherung zahlt Psychotherapie?
Für die allermeisten Menschen in Österreich gilt die gesetzliche Pflichtversicherung, eine private Versicherung kann sie nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Ausnahme sind einige Freiberufler:innen, etwa Ärzt:innen oder Rechtsanwält:innen, die über ihre Kammer ein sogenanntes Opting-out wählen können. Für alle anderen sind private Krankenversicherungen Zusatzversicherungen, und nicht jede davon hat etwas mit Psychotherapie zu tun. Entscheidend ist der Tariftyp:
| Tariftyp | Deckt vor allem | Psychotherapie? |
|---|---|---|
| Sonderklasse | Spital: Zweibettzimmer, freie Arztwahl | Nein, nur stationär |
| Privatarzt- oder Wahlarzt-Tarif | Wahlarzt-Honorare, Heilbehelfe, Therapien | Ja, meist ab der mittleren Stufe, mit eigenem Jahreslimit |
| Mental- oder Coaching-Baustein | Beratung, Coaching, Online-Programme | In der Regel nein |
| Betriebliche Gruppenversicherung | Je nach Vertrag, oft Privatarzt-Leistungen | Möglich, Vertrag des Arbeitgebers prüfen |
Die wichtigste Erkenntnis: Wenn Sie wegen Psychotherapie eine Versicherung suchen, brauchen Sie einen ambulanten Privatarzt-Tarif, in dem Psychotherapie ausdrücklich als Leistung genannt ist. Die günstigste Einstiegsstufe enthält sie bei mehreren Anbietern nicht.
Achtung bei Mental-Bausteinen
Mehrere Versicherer bewerben inzwischen „Mental Health“-Leistungen. Dahinter steckt oft Coaching, Lebens- und Sozialberatung oder psychologische Online-Beratung mit wenigen Einheiten pro Jahr, aber keine Psychotherapie bei einer eingetragenen Psychotherapeut:in. Das kann hilfreich sein, ersetzt aber keine Behandlung einer psychischen Erkrankung. Lesen Sie im Tarif genau nach, welche Berufsgruppe bezahlt wird.
Haben Sie vielleicht schon eine Polizze?
Bevor Sie über einen Neuabschluss nachdenken: Viele Menschen haben bereits eine Zusatzversicherung, über die Eltern, den Arbeitgeber oder einen alten Vertrag, und wissen nicht, dass sie Psychotherapie mitfinanziert. Suchen Sie in Ihren Unterlagen nach einem ambulanten Baustein oder fragen Sie beim Versicherer nach. Kinder sind oft in einem Familienvertrag mitversichert, mit eigenen Limits.
Wie die Erstattung funktioniert
Bei den meisten Anbietern läuft die Erstattung nacheinander: erst die Kasse, dann die Private.
- Schritt 1: Sie bezahlen die Honorarnote Ihrer Wahltherapeut:in und reichen sie wie gewohnt bei Ihrer Krankenkasse ein
- Schritt 2: Sobald der Kassenzuschuss überwiesen ist, reichen Sie die Honorarnote samt Abrechnung der Kasse und ärztlicher Verordnung bei der privaten Versicherung ein. Die meisten Versicherer haben dafür eine App oder ein Kundenportal
- Schritt 3: Die Private erstattet die Differenz, je nach Tarif bis zu 100 Prozent des Honorars, begrenzt durch das Jahreslimit für Psychotherapie und einen allfälligen Selbstbehalt
Mit Kasse bis 100 Prozent, ohne Kasse weniger
Ein verbreitetes Modell, das etwa die Wiener Städtische für ihre Privatarzt-Tarife beschreibt: Wenn die Kasse etwas zahlt, erstattet die Private den Rest bis zu 100 Prozent. Wenn die Kasse nichts zahlt, erstattet sie rund 80 Prozent. Die Merkur verlangt ausdrücklich, dass Psychotherapie-Rechnungen zuerst bei der Sozialversicherung eingereicht werden, und akzeptiert danach die Abrechnung der Kasse oder deren Ablehnungsschreiben. Reichen Sie Rechnungen zeitnah ein: Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag verjähren, und manche Bedingungen sehen eigene Einreichfristen vor.
Das Jahreslimit ist der Knackpunkt
Fast alle Tarife haben für Psychotherapie ein eigenes Limit pro Kalenderjahr, das deutlich unter der Gesamtleistung des Tarifs liegt. Die konkreten Beträge stehen im Tarifblatt und liegen oft bei einigen hundert Euro pro Jahr, in Premium-Tarifen auch darüber. Das ist eine spürbare Entlastung, finanziert aber selten eine ganze Therapie. Fragen Sie deshalb immer nach dem konkreten Betrag für Psychotherapie, nicht nur nach der Gesamtsumme des Tarifs. Ein Rechenbeispiel für eine ÖGK-Versicherte mit 40 Sitzungen im Jahr zu je 110 Euro und einem angenommenen Limit von 600 Euro:
| Posten | Betrag im Jahr |
|---|---|
| Honorar (40 × 110 €) | 4.400 € |
| ÖGK-Zuschuss (40 × 33,70 €) | − 1.348 € |
| Eigenanteil ohne Zusatzversicherung | 3.052 € |
| Private Zusatzversicherung (bis zum Limit) | − 600 € |
| Eigenanteil mit Zusatzversicherung | 2.452 € |
Das Limit deckt also etwa die ersten sieben Sitzungen vollständig und die achte zum größten Teil, danach zahlen Sie wieder den vollen Eigenanteil.
Was passiert, wenn die Kasse nicht zahlt?
Das ist die Frage, mit der die meisten zur Zusatzversicherung kommen. Die Antwort hängt davon ab, warum die Kasse nicht zahlt:
| Warum die Kasse nicht zahlt | Zahlt die Private? | Warum |
|---|---|---|
| Bewilligung ab der 11. Sitzung fehlt oder kam zu spät | Je nach Tarif, oft mit niedrigerer Quote (z. B. 80 %) | Formaler Grund, die Behandlung selbst ist gedeckt |
| Therapeut: in in Ausbildung unter Supervision | Meist nein | Tarife verlangen eine eingetragene Psychotherapeut:in |
| Paartherapie, Familienberatung ohne Diagnose | Meist nein | Keine Krankenbehandlung |
| Coaching, Lebens- und Sozialberatung | Nur über eigenen Coaching-Baustein | Keine Psychotherapie |
| Keine krankheitswertige Störung festgestellt | Meist nein | Auch die Private verlangt eine Diagnose |
Faustregel: Die private Versicherung springt dort ein, wo die Kasse aus formalen Gründen oder wegen der Höhe nicht zahlt. Wo es sich nach den Regeln nicht um eine Krankenbehandlung handelt, zahlt meist auch die Private nicht. Lassen Sie sich im Zweifel vor Therapiebeginn schriftlich bestätigen, ob Ihr Fall gedeckt ist. Lehnt die Private eine Leistung ab, die Sie für gedeckt halten, können Sie sich an die Beschwerdestelle des Versicherers, den VKI oder die Arbeiterkammer wenden.
Was kostet eine Zusatzversicherung?
Die Prämie hängt von Alter, Wohnort und Tarifstufe ab. Die Allianz nennt als Beispiel für einen 21-Jährigen rund 41 Euro im Monat in der Stufe Comfort und rund 90 Euro in der Stufe Extra, der ersten mit Psychotherapie. Für Ältere und in Wien liegen die Prämien höher. Tarife mit Psychotherapie liegen meist nicht in der billigsten Stufe.
Rechnen Sie ehrlich: Bei rund 1.000 Euro Prämie im Jahr und einem Psychotherapie-Limit von einigen hundert Euro lohnt sich die Versicherung nicht wegen der Psychotherapie allein. Sinnvoll ist sie, wenn Sie ohnehin regelmäßig Wahlärzt:innen, Physiotherapie oder andere ambulante Leistungen nutzen und die Psychotherapie ein zusätzlicher Baustein ist.
Anbieter im Überblick
Die folgenden Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Tarifinformationen der Versicherer, Stand September 2026. Tarife ändern sich laufend, verbindlich sind nur die Versicherungsbedingungen und das Tarifblatt Ihres Vertrags. Dieser Überblick ist keine Versicherungsberatung und keine Empfehlung für einen bestimmten Anbieter.
| Versicherer | Psychotherapie ab Stufe | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| UNIQA | Privatarzt Optimal (nicht Start) | Nur ärztlich verordnet. „Mental wachsen“ zahlt Coaching, keine Psychotherapie |
| Wiener Städtische | MEDplus Privatarzt Basic (nicht Smart) | Mit Kassenleistung bis 100 %, ohne rund 80 %, bis zum Limit |
| Allianz | Privatarzt Extra (nicht Comfort) | „Meine Mentalkraft“: 4 Online-Beratungen im Jahr, keine Psychotherapie |
| Merkur | Privatarzt-Tarife | Rechnung zuerst bei der Kasse, ärztliche Verordnung mit Diagnose |
| muki | Wahlarzt Ambulant Standard | Ärztliche Anordnung, eigenes Limit, 8 Monate Wartezeit |
| Generali | Privatarzt-Tarife | Als Leistung genannt, Limit im Tarifblatt prüfen |
| DONAU | Securmed Ambulant Small | Voraussetzungen und Limit im Tarifblatt prüfen |
Die konkreten Euro-Beträge für Psychotherapie veröffentlichen die meisten Versicherer nicht auf ihrer Website. Eine Ausnahme ist muki, das je nach Tarifvariante 488 oder 796 Euro pro Jahr für Psychotherapie angibt. Fordern Sie vor dem Abschluss das Tarifblatt an oder fragen Sie gezielt nach: Wie viel Euro pro Jahr gibt es für Psychotherapie? Für eine individuelle Beratung können Sie sich auch an eine unabhängige Versicherungsmakler:in wenden.
Bevor Sie abschließen: Gesundheitsfragen und Vorerkrankungen

Private Krankenversicherungen prüfen vor dem Abschluss Ihren Gesundheitszustand. In den Gesundheitsfragen wird regelmäßig nach psychischen Erkrankungen, Psychotherapie und psychiatrischer Behandlung in den letzten Jahren gefragt. Daraus ergeben sich drei Regeln und ein Trost:
- Rechtzeitig abschließen: Wer bereits in Therapie ist oder eine psychische Diagnose hat, bekommt häufig einen Leistungsausschluss für genau diesen Bereich, einen Prämienzuschlag oder eine Ablehnung. Eine laufende Therapie nachträglich zu versichern, funktioniert meist nicht. Dasselbe gilt für ein späteres Tarif-Upgrade: Für die Mehrleistung wird meist neu geprüft
- Immer wahrheitsgemäß antworten: Verschweigen Sie eine Diagnose oder Behandlung, verletzen Sie die vorvertragliche Anzeigepflicht nach Paragraf 16 ff Versicherungsvertragsgesetz. Der Versicherer kann dann vom Vertrag zurücktreten und für damit zusammenhängende Versicherungsfälle die Leistung verweigern. In der Krankenversicherung geht das grundsätzlich innerhalb von drei Jahren nach Abschluss, bei arglistigem Verschweigen auch danach. Das gilt auch für Diagnosen, die Sie selbst für unbedeutend halten
- Ausschlüsse später überprüfen lassen: Viele Versicherer bieten an, einen Ausschluss nach einigen Jahren beschwerdefreier Zeit neu zu prüfen. Fragen Sie danach
- Wenn Sie bereits in Behandlung sind: Der Kassenzuschuss, die klinisch-psychologische Behandlung auf Kasse und die steuerliche Absetzbarkeit bleiben Ihnen unabhängig davon, mehr dazu weiter unten
Die Diagnose in der Akte
Für die Erstattung braucht die Private eine Diagnose, sie landet also in Ihrer Versicherungsakte. Relevant wird das vor allem später, etwa beim Abschluss einer Berufsunfähigkeits- oder Lebensversicherung, wo wieder nach psychischen Erkrankungen gefragt wird. Wer das vermeiden will, kann die Therapie selbst zahlen, dann liegt bei der Versicherung keine Diagnose. Wird später ausdrücklich nach einer psychotherapeutischen Behandlung gefragt, müssen Sie diese trotzdem wahrheitsgemäß angeben. Mehr zu dieser Abwägung im Beitrag Kassenplatz, Wahltherapie oder Selbstzahler?
Wartezeit bis zu 8 Monate
Nach Vertragsbeginn gibt es eine Wartezeit, in der noch nicht geleistet wird. Das Versicherungsvertragsgesetz (Paragraf 178d) erlaubt allgemein höchstens 3 Monate. Für Psychotherapie ist eine besondere Wartezeit von bis zu 8 Monaten zulässig, und manche Anbieter schöpfen sie voll aus. Wer heute abschließt, bekommt Psychotherapie also unter Umständen erst im nächsten Jahr erstattet.
Checkliste: Diese Fragen stellen Sie dem Versicherer
Lassen Sie sich die Antworten auf diese Fragen vor der Unterschrift geben, am besten schriftlich oder direkt aus dem Tarifblatt:
- Ist Psychotherapie in meinem Tarif ausdrücklich enthalten, und ab welcher Tarifstufe?
- Wie hoch ist das Jahreslimit für Psychotherapie in Euro?
- Wie viel Prozent werden erstattet, wenn die Kasse einen Zuschuss zahlt, und wie viel, wenn sie nichts zahlt?
- Gibt es einen jährlichen Selbstbehalt?
- Brauche ich eine ärztliche Verordnung, und von wem (Hausärzt:in, Psychiater:in)?
- Welche Berufsgruppen sind gedeckt: nur eingetragene Psychotherapeut:innen oder auch klinische Psycholog:innen?
- Sind Online-Sitzungen gedeckt?
- Wie lange ist die Wartezeit für Psychotherapie?
- Bis wann muss ich Rechnungen einreichen?
- Wie lange reichen die Gesundheitsfragen zurück, und was passiert bei einer früheren Therapie?
Weitere Wege, die Kosten zu senken
Auch ohne private Versicherung gibt es Möglichkeiten, die Eigenkosten zu drücken. Was am Ende übrig bleibt, können Sie mit unserem Therapiekosten-Rechner durchspielen, einen Überblick über alle Kosten gibt der Kosten-Leitfaden für Psychotherapie in Österreich. Diese Wege sollten Sie kennen:
- Arbeitgeber fragen: Manche Unternehmen bieten eine betriebliche Krankenversicherung an. Beiträge des Arbeitgebers sind bis 300 Euro im Jahr für Sie steuerfrei, sofern er sie allen Mitarbeitenden oder einer bestimmten Gruppe gewährt. Viele Firmen haben zudem ein Employee Assistance Programme (EAP) mit anonymer, kostenloser psychologischer Beratung, das allerdings keine Psychotherapie ersetzt
- Steuer: Die selbst getragenen Kosten einer Psychotherapie wegen einer Erkrankung können Sie als außergewöhnliche Belastung geltend machen, abzüglich Kassen- und Versicherungserstattungen. Das Finanzamt zieht dabei einen einkommensabhängigen Selbstbehalt ab. Die Prämien der Zusatzversicherung selbst sind seit 2021 nicht mehr als Sonderausgaben absetzbar, auch nicht bei älteren Verträgen
- Klinisch-psychologische Behandlung: Sie ist seit 2024 Kassenleistung und seit 2026 in einem begrenzten Kontingent auch ohne Vorfinanzierung erhältlich. Für viele Anliegen ist sie eine vollwertige Option. Details im Beitrag zur klinisch-psychologischen Behandlung auf Kasse
- Ausbildung unter Supervision: Therapeut:innen in Ausbildung verlangen meist 30 bis 60 Euro pro Sitzung, dafür gibt es keinen Kassenzuschuss und meist keine private Erstattung
Fazit
Eine private Zusatzversicherung kann Psychotherapie in Österreich deutlich günstiger machen, und in manchen Fällen zahlt sie auch dann, wenn die Kasse ablehnt. Sie ist aber kein Freifahrtschein: Nur ambulante Privatarzt-Tarife, meist ab der mittleren Stufe, decken Psychotherapie, das Jahreslimit ist begrenzt, und wer schon in Behandlung ist, wird oft ausgeschlossen. Wenn Sie bereits eine Zusatzversicherung haben, reichen Sie Ihre Honorarnoten auf jeden Fall ein. Wenn Sie eine abschließen wollen, tun Sie es möglichst, bevor Sie eine Behandlung brauchen, und klären Sie vorher schwarz auf weiß, was im Tarif für Psychotherapie steht.
Passende Therapeut:in finden
Welche Versicherung auch immer zahlt: Entscheidend ist, dass die Therapeut:in zu Ihnen passt. Auf matchyourtherapy.at suchen Sie kostenlos unter eingetragenen Psychotherapeut:innen in ganz Österreich, filtern nach Ort, Methode, Schwerpunkt und Verfügbarkeit und sehen die Stundensätze direkt im Profil.
