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Psychotherapie für Kinder und Jugendliche: Kosten, Kasse und kostenlose Plätze 2026

Autor: MMag. DDr. Gregor Studlar BA
MMag. DDr. Gregor Studlar BA

Teil des matchyourtherapy-Teams. Schreibt über Psychotherapie, Kosten und Versorgung in Österreich.

4 Min. Lesezeit
Illustration: Ein Elternteil hebt sein Kind lachend in die Höhe, Symbolbild für psychotherapeutische Unterstützung von Kindern und Jugendlichen und ihre Finanzierung
Auf Basis wissenschaftlicher Quellen. Zu den Quellen

Der wichtigste Weg zuerst: „Gesund aus der Krise"

Bevor Sie über Kosten nachdenken, sollten Sie ein Programm kennen: „Gesund aus der Krise" des Berufsverbands Österreichischer Psycholog:innen (BÖP) gemeinsam mit dem Österreichischen Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) und dem Österreichischen Berufsverband der MusiktherapeutInnen (ÖBM), finanziert vom Sozialministerium. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 0 bis 21 Jahren bekommen darüber bis zu 15 kostenlose Beratungs- und Behandlungseinheiten bei klinischen Psycholog:innen, Gesundheitspsycholog:innen, Psychotherapeut:innen oder Musiktherapeut:innen, im Einzel- oder Gruppensetting, in ganz Österreich.

Das Beste daran: Es braucht keinen Kassenantrag, keine ärztliche Bestätigung und keine Diagnose im Vorfeld. Die Anmeldung läuft online über gesundausderkrise.at oder telefonisch unter 0800 800 122 (Montag bis Freitag, 8 bis 18 Uhr), durch Eltern, Behandler:innen oder ab 14 auch durch Jugendliche selbst. Nach einem Erstgespräch wird ein passender Platz in Ihrer Region vermittelt. Die Finanzierung wurde per Sonderrichtlinie des Sozialministeriums mehrfach verlängert und ist aktuell bis Mitte 2027 gesichert.

Für viele Familien sind die 15 Einheiten der ideale Einstieg: schnell, kostenlos und niederschwellig. Reicht das Kontingent nicht, helfen die Behandler:innen beim Übergang in eine längerfristige Versorgung, und dann kommen die klassischen Wege ins Spiel.

Weg 2: Kassenplatz und Ambulatorien, kostenlos mit Wartezeit

Vollfinanzierte Kassenplätze für Psychotherapie gibt es auch für Kinder und Jugendliche, ebenso spezialisierte Ambulatorien für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Therapie-Einrichtungen der Länder. Dort zahlen Sie nichts, die Therapeut:in rechnet direkt mit der Kasse ab.

Der Haken ist derselbe wie bei Erwachsenen, nur schärfer: Kinder- und Jugendtherapeut:innen mit Kassenvertrag sind besonders rar, die Wartezeiten liegen oft bei mehreren Monaten. Setzen Sie sich trotzdem sofort auf Wartelisten, auch parallel zu anderen Wegen. Was Sie in der Wartezeit sinnvoll tun können, haben wir im Ratgeber Kein Kassenplatz frei? zusammengefasst.

Weg 3: Wahltherapeut:in mit Kassenzuschuss

Finden Sie eine passende niedergelassene Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut:in, gilt derselbe Kostenzuschuss wie bei Erwachsenen. Die Kasse des Kindes, in der Regel die Kasse, bei der es mitversichert ist, erstattet pro Einzelsitzung:

Krankenkasse Zuschuss pro Einzelsitzung
BVAEB 50,20 Euro
SVS 50,00 Euro
KFA Wien 39,00 Euro
ÖGK 33,70 Euro

Auch die Spielregeln sind dieselben: krankheitswertige Diagnose, eingetragene Therapeut:in, ärztliche Bestätigung vor der zweiten Sitzung, die etwa Kinderärzt:in oder Hausärzt:in ausstellen kann, und ab der 11. Sitzung eine Bewilligung. Den Ablauf im Detail beschreibt der Leitfaden zum Kassenzuschuss.

Was kostet Kinder-Psychotherapie privat?

Ohne Zuschuss kostet eine Einheit bei niedergelassenen Kinder- und Jugendlichen-Therapeut:innen meist 80 bis 150 Euro. Bei jüngeren Kindern wird oft in kürzeren Einheiten oder über Spieltherapie gearbeitet, zusätzlich gehören Elterngespräche zum Konzept, die je nach Praxis eigens verrechnet werden. Fragen Sie im Erstkontakt aktiv nach: Einheitendauer, Honorar, Elterngespräche, Absageregelung.

Zwei Entlastungen sollten Eltern kennen:

  • Steuer: Selbst getragene Therapiekosten für das Kind sind als außergewöhnliche Belastung absetzbar. Wie das geht, zeigt der Beitrag Psychotherapie von der Steuer absetzen
  • Klinisch-psychologische Behandlung: Seit 2026 vollfinanzierte Kassenleistung, auch für Kinder und Jugendliche relevant, etwa bei Ängsten oder depressiven Verstimmungen. Details im Beitrag zur klinisch-psychologischen Behandlung auf Kasse

Woran erkenne ich, dass mein Kind Unterstützung braucht?

Eltern warten im Schnitt lange, oft zu lange. Anhaltspunkte, professionelle Hilfe zumindest abklären zu lassen: Rückzug von Freund:innen und Hobbys über Wochen, anhaltende Schlafprobleme, deutlicher Leistungsknick in der Schule, häufige körperliche Beschwerden ohne Befund, selbstverletzendes Verhalten, Essensauffälligkeiten oder Äußerungen von Hoffnungslosigkeit. Ein Erstgespräch verpflichtet zu nichts und schafft Klarheit, ob Behandlungsbedarf besteht.

Bei akuten Krisen gilt: Rat auf Draht unter 147 ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar, für Kinder und Jugendliche ebenso wie für Eltern (unter elternseite.at). In Notfällen mit Selbst- oder Fremdgefährdung wählen Sie 144 oder fahren in die nächste kinder- und jugendpsychiatrische Ambulanz.

So finden Sie die passende Therapeut:in

Bei Kindern und Jugendlichen zählt die Passung doppelt: zur jungen Person und zu Ihnen als Eltern. Achten Sie auf den Schwerpunkt Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie im Profil und trauen Sie sich, nach einem kurzen kostenlosen Erstkontakt zu fragen. Auf matchyourtherapy.at können Sie gezielt nach Schwerpunkten wie Kinder und Jugendliche, Ort und Verfügbarkeit filtern und sehen Honorare direkt im Profil.

Häufige Fragen

Was ist „Gesund aus der Krise" und wer kann teilnehmen?
Ein bundesfinanziertes Programm, über das Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene von 0 bis 21 Jahren bis zu 15 kostenlose psychologische oder psychotherapeutische Behandlungseinheiten bekommen. Die Anmeldung läuft online auf gesundausderkrise.at oder unter 0800 800 122, ohne Kassenantrag und ohne Zuweisung.
Ist „Gesund aus der Krise" auch 2026 noch verfügbar?
Ja. Die Finanzierung wurde per Sonderrichtlinie des Sozialministeriums verlängert und ist aktuell bis Mitte 2027 gesichert. Melden Sie sich bei Bedarf trotzdem zeitnah an, die Plätze werden laufend vergeben.
Was kostet Psychotherapie für Kinder ohne Förderung?
Bei niedergelassenen Wahltherapeut:innen meist 80 bis 150 Euro pro Einheit. Mit Kassenzuschuss reduziert sich das je nach Kasse um 33,70 bis 50,20 Euro pro Sitzung. Kassenplätze und Ambulatorien sind kostenlos, haben aber Wartezeiten.
Braucht mein Kind eine Überweisung für Psychotherapie?
Nein, eine Überweisung ist nicht nötig. Für den Kassenzuschuss braucht es aber eine ärztliche Bestätigung, etwa von der Kinderärzt:in, die vor der zweiten Sitzung bei der Kasse einlangen muss. Bei „Gesund aus der Krise" entfällt auch das.
Kann mein Kind ohne mein Wissen eine Therapie machen?
Ab 14 Jahren gelten Jugendliche in Gesundheitsfragen grundsätzlich als einsichts- und urteilsfähig und können einer Behandlung selbst zustimmen. Bei „Gesund aus der Krise" können sich Jugendliche ab 14 selbst anmelden. Die Kostenfrage bleibt bei Minderjährigen in der Praxis meist Elternsache.
Wohin bei einer akuten Krise meines Kindes?
Rat auf Draht unter 147 ist rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar. Bei akuter Selbst- oder Fremdgefährdung wählen Sie den Notruf 144 oder suchen die nächste Ambulanz für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf.

Quellen & wissenschaftliche Grundlagen

  1. [1]

    Gesund aus der Krise: Offizielle Programmseite und Anmeldung https://gesundausderkrise.at/

  2. [2]

    BÖP (Berufsverband Österreichischer Psycholog:innen): Gesund aus der Krise https://www.boep.or.at/psychologische-behandlung/projekte/gesund-aus-der-krise

  3. [4]

    Österreichische Liga für Kinder- und Jugendgesundheit: Therapieplätze für Kinder und Jugendliche https://www.kinderjugendgesundheit.at/informationen/news/gesund-aus-der-krise/

  4. [5]

    ÖBVP: Kosten einer Psychotherapie, Zuschusssätze der Kassen Stand 1.1.2026 https://www.psychotherapie.at/patientinnen/ueber-psychotherapie/kosten-einer-psychotherapie

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