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psyhelp: Anmeldung, Wartezeit und ärztliche Bestätigung für den Kassenplatz

Autor: MMag. DDr. Gregor Studlar BA
MMag. DDr. Gregor Studlar BA

Teil des matchyourtherapy-Teams. Schreibt über Psychotherapie, Kosten und Versorgung in Österreich.

5 Min. Lesezeit
Illustration: Eine Person wird über eine Plattform zu einer passenden Fachperson vermittelt, Symbolbild für die Vermittlung klinisch-psychologischer Kassenplätze über psyhelp
Auf Basis wissenschaftlicher Quellen. Zu den Quellen

Was psyhelp ist

Hinter psyhelp steht die Serviceplattform des Berufsverbands Österreichischer Psychologinnen und Psychologen (BÖP). Über sie werden kassenfinanzierte klinisch-psychologische Behandlungsplätze vermittelt, und zwar österreichweit und ohne finanzielle Vorleistung. Möglich wurde das durch einen Gesamtvertrag, den die Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK), die Sozialversicherung der Selbständigen (SVS) und die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter, Eisenbahnen und Bergbau (BVAEB) gemeinsam mit dem BÖP abgeschlossen haben.

Seit 1. Jänner 2026 ist die klinisch-psychologische Behandlung damit erstmals eine Kassenleistung; bis dahin gab es nur einen Kostenzuschuss. Seit 26. Jänner 2026 kann man sich über psyhelp dafür anmelden. Jährlich stehen rund 120.700 Behandlungseinheiten zu je 50 Minuten zur Verfügung, laut BÖP bis 2029; die ÖGK weist darauf hin, dass die Finanzierung durch den Bund nur bis 2028 gesichert ist.

Wer sich anmelden kann

psyhelp nennt drei Voraussetzungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen:

  • Versicherung: Sie sind bei der ÖGK, der SVS oder der BVAEB versichert
  • Kein Doppelgleis: Sie nehmen nicht parallel bereits einen Psychotherapie-Kassenplatz oder eine klinisch-psychologische Behandlung mit Kostenzuschuss in Anspruch
  • Ärztlich abgeklärt: Es liegt eine psychische Erkrankung vor, und eine ärztliche Untersuchung hat ausgeschlossen, dass eine körperliche Erkrankung dafür verantwortlich ist

Nicht übernommen werden laut BÖP nur die Diagnosen F70 (Intelligenzminderung) und F81 (umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten), außer es liegt zusätzlich eine andere psychische Erkrankung vor. Die ersten zehn Behandlungseinheiten sind bewilligungsfrei.

Die ärztliche Bestätigung ist eine typische Hürde

Dieses Dokument muss bei der Anmeldung hochgeladen werden. Laut psyhelp belegt es zweierlei, nämlich dass eine psychische Erkrankung vorliegt und dass im Rahmen einer ärztlichen Untersuchung eine körperliche Ursache ausgeschlossen wurde.

Die Untersuchung können laut psyhelp Allgemeinmediziner:innen durchführen, ebenso Fachärzt:innen wie Neurolog:innen oder Psychiater:innen. Auf psyhelp.at liegt dafür ein Musterformular bereit, das Sie zum Termin mitnehmen können. Es verlangt Stempel und Unterschrift der Ärztin oder des Arztes, und das Datum darf nicht älter als drei Monate sein. Planen Sie den Arzttermin also ein, bevor Sie mit der Online-Anmeldung starten.

So läuft die Anmeldung ab

psyhelp beschreibt den Weg zum Behandlungsplatz in drei Schritten:

  • Schritt 1, Anmeldung: Das Online-Formular führt Sie durch den Anmeldeprozess. Sie geben Ihre Daten ein, laden die Nachweise hoch und können Anforderungen und Präferenzen angeben, etwa das Geschlecht der behandelnden Person, die Sprache und Barrierefreiheit
  • Schritt 2, Clearing: Auf Basis Ihrer Angaben prüft psyhelp, ob eine behandlungsbedürftige psychische Belastung vorliegt und welche Art von Unterstützung für Sie passend ist
  • Schritt 3, Behandlungsplatz: Sobald ein wohnortnaher Kassenplatz gefunden ist, werden Sie per E-Mail informiert

Wenn Sie beim Ausfüllen Hilfe brauchen, erreichen Sie die Servicestelle kostenlos unter 0800 10 02 03, von Montag bis Freitag zwischen 9 und 17 Uhr, alternativ per E-Mail an service@psyhelp.at.

Wie lange ist die Wartezeit?

Eine offizielle Zahl gibt es nicht, und das ist die ehrliche Antwort auf die Frage, die sich viele vor der Anmeldung stellen. Die Plattform selbst formuliert es so: „Wir bitten um Verständnis, dass es auf Grund der begrenzten Anzahl an Kassenplätzen bei der Vermittlung der Behandlungsplätze zu Wartezeiten kommen kann."

Die Plätze werden laut psyhelp nach festgelegten Kriterien vergeben, unter anderem:

  • Schweregrad der Erkrankung
  • Wohnortnähe
  • Spezifische Anforderungen, etwa die Behandlungssprache

Ob das Anmeldedatum eine Rolle spielt, sagt die Plattform nicht. Eine Größenordnung liefert die Zwischenbilanz des BÖP vom 11. Mai 2026. In den ersten rund 100 Tagen hatten sich etwa 6.500 Menschen angemeldet, 13.000 Dokumente und Befunde wurden geprüft und klassifiziert, und allein in den drei Wochen vor der Bilanz konnten 2.000 Behandlungsplätze vermittelt werden. Mehr als 65 Prozent der Anmeldungen stammten von Frauen, bei rund 10 Prozent war eine Fremdsprache gefragt.

Was Sie nicht selbst bestimmen können

Zwei Punkte sollten Sie vorher wissen. Erstens erfolgt die Vermittlung zentral über die Serviceplattform an geprüfte und vertraglich eingebundene Behandler:innen, eine freie Wahl der behandelnden Person ist deshalb nicht immer möglich. Zweitens finden die Termine grundsätzlich vor Ort statt. Online-Behandlungen sind laut psyhelp nur in Ausnahme- und begründeten Einzelfällen vorgesehen, etwa in einer Pandemie oder einer akuten Krisensituation.

Was die Behandlung kostet

Für ÖGK-Versicherte ist der vermittelte Kassenplatz kostenfrei, eine Vorfinanzierung entfällt. Für Versicherte der BVAEB und der SVS weist psyhelp allerdings ausdrücklich auf einen Selbstbehalt hin. Wie hoch dieser ausfällt, klären Sie am besten direkt mit Ihrem Versicherungsträger, bevor die Behandlung startet.

Neben Einzelbehandlungen gibt es auch Gruppenangebote mit eigener Gruppennummer, etwa zu Angst und Panik, zu Depression oder zu ADHS. Diese Gruppen haben feste Startdaten und Altersgrenzen und sind regional unterschiedlich verfügbar.

Wenn Sie nicht warten wollen

Die Anmeldung bei psyhelp ist ein Weg von mehreren. Wer schneller starten möchte oder die Voraussetzungen nicht erfüllt, hat weiterhin die klassischen Möglichkeiten, nämlich einen Kassenplatz in der Psychotherapie, eine Wahltherapeut:in mit Kostenzuschuss oder einen Platz bei Ausbildungskandidat:innen zu reduzierten Sätzen. Was in der Wartezeit konkret hilft, zeigt unser Ratgeber Kein Kassenplatz frei?.

Worin sich die klinisch-psychologische Behandlung inhaltlich von Psychotherapie unterscheidet und welche Leistungen dazugehören, lesen Sie im Beitrag zur klinisch-psychologischen Behandlung auf Kasse.

Beide Wege lassen sich kombinieren. Sie melden sich bei psyhelp an und suchen parallel nach einer Therapeut:in mit freien Plätzen. Auf matchyourtherapy.at filtern Sie dafür kostenlos nach Ort, Schwerpunkt, Abrechnungsart und Verfügbarkeit und sehen die Stundensätze direkt im Profil.

Wenn es akut ist

Die Anmeldung bei psyhelp ist kein Notfallweg, das Clearing und die Vermittlung brauchen Zeit. Wenn Sie sich in einer akuten Krise befinden oder sofort Hilfe benötigen, wenden Sie sich an die Telefonseelsorge unter 142, an Rat auf Draht unter 147 oder im Notfall an 112.

Häufige Fragen

Wie lange ist die Wartezeit bei psyhelp?
psyhelp nennt keine konkrete Dauer. Die Plattform weist darauf hin, dass es aufgrund der begrenzten Anzahl an Kassenplätzen zu Wartezeiten kommen kann. Vergeben werden die Plätze nach Kriterien wie Schweregrad der Erkrankung, Wohnortnähe und speziellen Anforderungen wie der Behandlungssprache. Ob das Anmeldedatum eine Rolle spielt, sagt psyhelp nicht.
Welches Formular brauche ich für die Anmeldung bei psyhelp?
Sie brauchen eine ärztliche Bestätigung, die Sie beim Ausfüllen des Online-Formulars hochladen. Ein Musterformular steht auf psyhelp.at zum Download bereit. Es braucht Stempel und Unterschrift der Ärztin oder des Arztes und darf nicht älter als drei Monate sein. Die Untersuchung können laut psyhelp Allgemeinmediziner:innen oder Fachärzt:innen wie Neurolog:innen oder Psychiater:innen durchführen.
Was kostet eine Behandlung über psyhelp?
Der vermittelte Kassenplatz wird direkt über die Sozialversicherung abgerechnet, Sie gehen nicht in Vorleistung. Für ÖGK-Versicherte ist die Behandlung kostenfrei. Für Versicherte der BVAEB und der SVS weist psyhelp auf einen Selbstbehalt hin, dessen Höhe Sie bei Ihrem Versicherungsträger erfragen sollten.
Kann ich mir die behandelnde Psycholog:in selbst aussuchen?
Nicht immer. Die Vermittlung erfolgt zentral über die Serviceplattform an geprüfte und vertraglich eingebundene Behandler:innen. Sie können bei der Anmeldung aber Präferenzen angeben, etwa zu Geschlecht, Sprache und Barrierefreiheit, und diese fließen in die Zuteilung ein.
Gibt es psyhelp auch in Oberösterreich, Tirol oder Vorarlberg?
Ja. Die Anmeldung läuft für alle Bundesländer über psyhelp.at. Ein Kriterium bei der Zuteilung ist die Wohnortnähe, damit die Behandlung in erreichbarer Entfernung stattfinden kann. Wie viele Plätze regional frei sind, hängt vom jeweiligen Angebot vor Ort ab.
Was ist der Unterschied zwischen psyhelp und einem Psychotherapie-Kassenplatz?
Über psyhelp bekommen Sie einen Platz für klinisch-psychologische Behandlung bei einer Klinischen Psycholog:in. Ein Psychotherapie-Kassenplatz ist eine eigene Leistung bei einer eingetragenen Psychotherapeut:in und wird nicht über psyhelp vergeben. Beides parallel in Anspruch zu nehmen ist ausgeschlossen, Sie müssen sich also für einen Weg entscheiden.

Quellen & wissenschaftliche Grundlagen

  1. [1]

    psyhelp (Serviceplattform des BÖP): Ablauf, Voraussetzungen, ärztliche Bestätigung, Servicezeiten, E-Mail und Hinweis zur Wartezeit https://www.psyhelp.at/

  2. [2]

    psyhelp: Musterformular „Ärztliche Bestätigung" zum Hochladen bei der Anmeldung https://psyhelp.at/assets/documents/aerztliche-bestaetigung-s1.pdf

  3. [3]

    BÖP: Kassenplätze für klinisch-psychologische Behandlung, Anspruch, beteiligte Träger, Ausschluss der Diagnosen F70 und F81 https://www.boep.or.at/psychologische-behandlung/kassenplaetze-fuer-klinisch-psychologischen-behandlung

  4. [4]

    BÖP: Informationen zur Sachleistungsvereinbarung, Start der Anmeldung ab 26.01.2026 https://www.boep.or.at/psychologische-behandlung/informationen-zur-sachleistungsvereinbarung

  5. [5]

    BÖP vom 28.01.2026: 120.700 Einheiten jährlich bis 2029, erste zehn Einheiten bewilligungsfrei https://www.boep.or.at/aktuelles/detail?news_item_id=6979ef6a3c15c873c000008f

  6. [6]

    BÖP-Zwischenbilanz vom 11.05.2026: 100 Tage psyhelp, Anmeldezahlen und vermittelte Plätze https://www.boep.or.at/aktuelles/detail?news_item_id=6a01af783c15c84f28000025

  7. [7]

    ÖGK: Einführung der klinisch-psychologischen Behandlung als Kassenleistung ab 1.1.2026, 120.700 Behandlungseinheiten pro Jahr https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.908362&portal=oegkportal

  8. [8]

    Dachverband der Sozialversicherungsträger: Klinisch-psychologische Behandlung, Servicestelle 0800 10 02 03 https://www.sozialversicherung.gv.at/cdscontent/?contentid=10007.897679

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